HeLB-Projekt

„HeLB – Helfen. Lotsen. Beraten.“

Ein Modellprojekt zur Erprobung multipler Beratungszugänge zu schwer erreichbaren und besonders vulnerablen Zielgruppen mit Schwerpunkt im ländlichen Raum in der Schwangerschaftsberatung (gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
 


Gudrun F. lebt in einem kleinen Weiler im Brandenburgischen. Sie hat drei Kinder, eines im Schulalter, eines im Kindergartenalter, eines knapp zwei Jahre alt. Und sie ist erneut schwanger. Aber diesmal kommt keine Freude auf, sondern Panik. Wie soll sie das schaffen? Jetzt zur nächsten Beratungsstelle für Schwangerschaftskonfliktberatungen zu fahren, kommt für sie nicht in Frage. Das Auto braucht der Mann, um zur Arbeit zu kommen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln bräuchte sie viele Stunden, und niemand wäre zu Hause, um sich um die Kinder zu kümmern. Zum Glück ist die Breitbandversorgung selbst in ihrer Gegend mittlerweile angekommen. Sie geht auf www.donumvitae.org und bekommt für den Folgetag eine Erstberatung quasi von Webcam zu Webcam. Da kann sie sich zum ersten Mal aussprechen. In mehreren digitalen Beratungsgesprächen werden nicht alle Probleme gelöst, aber Lösungswege überlegt. Während ihrer Entscheidungsfindung wird sie von der donum vitae Beraterin begleitet.


Im Fokus: weiße Flecken in der Beratungslandschaft
Ein reales Szenario? Anfang 2019 noch nicht. Aber schon bald mehr als eine Zukunftsvision! Das Modellprojekt „HeLB – Helfen. Lotsen. Beraten.“ von donum vitae e.V. hat Frauen wie Gudrun F. im Blick – aber auch andere „weiße Flecken“ in der Beratungslandschaft. Neben der schlechten Verkehrsanbindung im ländlichen Raum gibt es viele Szenarien, die Frauen die Teilhabe am Hilfe- und Beratungssystem erschweren – und das nicht nur auf dem Land. Da sind zum Beispiel Frauen mit Migrationshintergrund, die sich nur schlecht im deutschen Gesundheits- und Beratungssystem zurechtfinden. Frauen mit einer psychischen bzw. Suchterkrankung, die keinen Weg aus der Sackgasse ihrer Nöte finden. Oder Frauen mit körperlichen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen, deren Mobilität eingeschränkt oder denen das Angebot der Schwangerschaftskonfliktberatung unbekannt ist. Alle diese Gruppen werden von den herkömmlichen Angeboten der Schwangerschafts- (konflikt-)beratung schon im städtischen Raum oft nicht erreicht – auf dem Land gelingt dies noch seltener. Angesichts der aktuellen Situation zu Zeiten der Corona-Pandemie ist der Weg in die Beratungsstellen zusätzlich erschwert.

Aufsuchend – mobil – digital: Schwangerschafts- (konflikt-)beratung der Zukunft
Das donum vitae-Modellprojekt „HeLB – Helfen. Lotsen. Beraten.“ verfolgt das Ziel, den aus unterschiedlichen Gründen schwer erreichbaren Frauen (und ihren Familien) einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Beratungsangeboten zu bieten – nicht nur, aber vor allem im ländlichen Raum. Dazu wird das bestehende Beratungsangebot vor allem durch aufsuchende, mobile und digitale Angebote – selbstverständlich unter Beachtung striktester Datenschutz- und Schweigepflichtvorgaben – erweitert und weiterentwickelt. 
Neben der Präsenzberatung wird daher die aufsuchende Beratung für die genannten schwer erreichbaren Zielgruppen intensiver erprobt und ausgewertet. Exemplarisch werden digitale Möglichkeiten für die Beratungsarbeit implementiert: E-Mail-Beratung, Chat-Beratung und Video- Beratung sowie Wiki-how-Angebote und Erklärfilme. 
Welche Zielgruppe passgenau mit welchen Beratungsformaten erreicht werden kann, wird projektbegleitend wissenschaftlich untersucht und in Bezug auf die spezifische Wirksamkeit systematisch ausgewertet.

Pilotstandorte 
An bundesweit angesiedelten Pilotstandorten erproben und vertiefen die Berater*innen multiple Zugänge zu schwer erreichbaren Zielgruppen. Die Aufgabe der Berater*innen ist, sowohl die im vorangegangenen Projekt erprobten Prinzipien der aufsuchenden Beratung im Format der „Triade“ Klient*in - Berater*in - Dolmetscher*in fortzuführen als auch digitale Beratungsformate und ihre Zugangsmöglichkeiten zu den so genannten schwer erreichbaren Zielgruppen zu erproben und weiterzuentwickeln. Die Berater*innen nutzen Ergebnisse der Vorgängerprojekte, u.a. bestehende Netzwerke und Kooperationen, z.B. mit Sexualpädagog*innen, Hebammen und Gynäkolog*innen, aber auch den Dolmetsch-Pool, der im Modellprojekt „Schwangerschaft und Flucht“ entstanden ist. Sie führen die erfolgreich implementierten Instrumentarien weiter fort. Regelmäßig stattfindende Workshops der Berater*innen gewährleisten den gemeinsamen Austausch und die Weiterentwicklung des Projekts und – genau wie Supervision und Fortbildungen – die Qualität der Beratungsangebote. 

Transformation gestalten
Am 6. Mai ging das Modellprojekt HeLB nach zwei Jahren Entwicklungsphase in die abschließende Transformation. Bis April 2022 werden 19 Modellstandorte (mit fast 50 Berater*innen) gemeinsam mit 14 HeLB-Beraterinnen und dem Team der Online-Beratungsstelle die Erfahrungen rund um das Blended Counseling und die Erreichbarkeit von Ratsuchenden im ländlichen Raum in der Schwangerschaftsberatung von donum vitae etablieren.

Im Tandem mit den jeweiligen Modellberatungsstellen unterstützen die HeLB-Beraterinnen die Modellberatungsstellen. Die Zusammenarbeit erfolgt überwiegend online (per Video, Telefon).

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